| Aus "Die Stadt in der Wüste" |
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Wenn Du eine bestimmte Farbe liebst, würde sie dir gewiss nicht gefallen, wäre sie überall gleichförmig verteilt - in Wahrheit ergreifen dich ja nicht Gelb oder Grün oder Rot, sondern ihre Beziehungen zueinander. Jeder Aufstieg ist schmerzlich. Eine jede Wandlung bringt Leiden mit sich. Und ich dringe nicht in jene Musik ein, wenn ich sie nicht durchlitten habe. Es gibt kein Wort, um das auszusprechen, was in mir ist. Ich kann es nur in dem Maße bezeichnen, in dem du es schon auf anderen Wegen als durch das Wort verstehst: Etwa durch das Wunder der Liebe oder weil du mir gleichst, da du vom selben Gott gezeugt wurdest. Und wie es meine Unbeholfenheit gerade mit sich bringt, zeige ich nur die eine oder andere ihrer Seiten auf. So gebe ich jenem Berge, den ich bezeichne, seine Höhe wieder; er ist aber noch ganz was anderes. Oder ich sprach von der Majestät der Nacht, während du die Kälte der Sterne spürst. Ich kann nicht über die Liebe wie über einen Vorrat verfügen: Sie ist vor allem Betätigung meines Herzens. Und es wundert mich nicht, dass so viele nichs vom Landgut, vom Gedicht oder von der Musik verstehen und davorsitzen und sagen: "Was ist denn schon darin enthalten? Nur ein Allerlei mehr oder minder kostbarer Dinge. Nichts, das verdiente mich zu beherrschen!" Sie sind vernünftig, wie sie sagen; sie sind Skeptiker und erfüllt von jener Ironie, die nicht dem Menschen, sondern dem Taugenichts eigen ist. Denn die Liebe wird dir nicht als Geschenk gegeben von einem Gesicht, das dir begegnet, und ebenso entsteht deine Heiterkeit nicht durch die Landschaft, sondern durch den Aufstieg, den du überwunden hast. Durch den Berg, den du bezwungen hast. Einzig die Richtung hat einen Sinn. Es kommt darauf an, dass du auf etwas zugehst, nicht dass du ankommst. |
| Antoine de Saint-Exupéry |